Gedanken zum Stiftungsfest (11.9.2018)

Zum Stiftungsfest der Loge Leo Müffelmann zur Treue wurde nachfolgende Zeichnung durch unseren Bruder Redner gehalten am 11.9.2018.


Heute, liebe Brüder, sind wir zusammengekommen, um das Stiftungsfest unserer Loge " Leo Müffelmann zur Treue  i.O.  Osnabrück" zu begehen, wir wollen also nichts anderes tun, als den Geburtstag unserer Loge zu feiern.. Im Mittelalter sprachen die Dichter vom "hohen muot", wenn es darum ging, etwas Bedeutsames zu feiern. Sind wir heute abend wirklich "hohen muotes", also hochgestimmt und voller Freude und Zuversicht über das, was unsere Loge war, ist und auch sein wird, oder beschleicht uns vielleicht das Gefühl von Unsicherheit und auch Fragwürdigkeit, was die Zukunft unserer Loge, aber auch der Freimaurerei allgemein angeht ?

Diese Ambivalenz gilt es auszuhalten , um den Kopf frei werden zu lassen für das Nachdenken über Begriffe wie "Stiftungsfest" und "Stifter".

Da sind zunächst die Stifter der Loge. Was hat sie dazu geführt, eine neue Loge zu gründen? Waren es Gründe persönlicher Natur auf der Beziehungsebene unter Brüdern oder waren es Gründe, die einen Neuanfang zwingend machten, weil die aufgegebene Loge im Trott von Routine und ideeller Leere erstarrt war ?-   Fragen, die im brüderlichen Gespräch durchaus erörtert werden sollten.

Ich komme zu dem Namensträger unserer Loge: Leo Müffelmann. Die Wahl dieses Namens für unsere Loge ist doch keineswegs willkürlich erfolgt. Nicht selten sind Brüder anderer Logen überrascht bzw. irritiert, wenn sie den Logennamen "Müffelmann z.T." zum ersten Mal hören. Nicht selten wird dann mit dem Namen ein jüdischer Hintergrund vermutet-  ein Beispiel, wie die Falle des Vorurteils auch bei Brüdern heftig zuschlagen kann. Was haben die Brüder Stifter also mit dieser Namensgebung sagen wollen, was haben sie den künftigen Brüdern als Erbe und Auftrag mit auf den maurerischen Weg geben wollen?

Die Antwort auf diese Fragen gibt der Lebensweg Leo Müffelmanns als Freimaurer!

Wie kaum ein anderer Freimaurer seiner Zeit hat er an dem Wesenskern der Maurerei festgehalten: Brüderlichkeit, Toleranz, Humanität waren für ihn keine  Floskeln, sondern ethische Zielsetzungen, die sich im Alltag zu bewähren hatten. Der freimaurerische Wesenskern wurde von ihm nicht privatistisch als ein bürgerlich wohlgeordnetes Idyll verstanden, das sich abschließt vom Zeitgeschehen, von den Irritationen und Konvulsionen der damaligen gesellschaftlichen und politischen Realitäten.

Es ist die politisch sich immer mehr aufladende Zeit der Weimarer Republik, eine Zeit, in der auch die Maurerei tief abgleitet in die braune Mentalität von Nationalismus, Völkerhass, Rassismus und Kriegshetze. Eine Zeit, in der vermeintliche Kriegshelden wie Ludendorff und Hindenburg verehrt wurden, soll hier nicht von einem Nachgeborenen abgeurteilt werden.

Doch muss sich die Freimaurerei heute befragen lassen nach ihrer Mitverantwortung an dem ab 1933 einsetzenden Zivilisationsbruch durch den Nationalsozialismus mit all seinen verbrecherischen Folgen. Wir würden nicht über Leo Müffelmann sprechen, hätte er sich nicht dieser braunen Flut entgegengestellt in dem klaren Bewusstsein, dass es eine nicht zu durchbrechende Scheidelinie gab  zwischen dem, was die Ideale der Freimaurerei sind, und dem, was damals in wahrhaft massenhysterischer Weise von den Nationalsozialisten ins Werk gesetzt worden ist. Die chauvinistische Gesinnung der deutschen Großlogen nach dem 1.Weltkrieg verhinderte jede Verständigung mit ausländischen  Brüdern.

Leo Müffelmann indes nahm jede Gelegenheit wahr, französische Brüder zu treffen, und nahm demonstrativ  an internationalen Freimaurerkongressen teil. Als er 1926 am internationalen Freimauererkongress in Belgrad teilnahm und mit dem Großmeister des Grand Orient de France, Bruder Groussier, den Bruderkuss austauschte, schlossen ihn die deutschen Großlogen aus der Freimaurerei aus.

Leo Müffelmann suchte und fand eine neue maurerische Heimat in der Großloge zu Wien. Diese Vorgänge lassen ihn die Gefahren für die Zukunft der Freimaurerei in Deutschland klar voraussehen. Immer wieder ermahnt er die Brüder, die von Hitler in "Mein Kampf" vertretene Ideologie ernst zu nehmen, und wurde doch nicht gehört. Die etablierten Großlogen blieben bei ihrer Einstellung auch dann noch, als Hitler die Macht an sich gerissen hatte und zügig daran ging, erste Maßnahmen zum Verbot der Freimaurerei in die Wege zu leiten.

Leo Müffelmann wurde am 5.September 1933 von der Gestapo verhaftet. Nach anfänglicher Polizeihaft und deren Verhören wurde er nach einem Monat ins KZ Sonnenburg geschafft. Verhaftungsgrund war die Zugehörigkeit zur Freimauererei. Am 26.November 1933, nach unbeschreiblichen Schikanen und Misshandlungen, wurde er endlich aus dem KZ  entlassen. Leo Müffelmann schrieb in sein Tagebuch: "Ehre und Würde als Mensch zerprügelt und vernichtet. Wie ein Verbrecher behandelt, körperlich verletzt und wirtschaftlich ruiniert." Am 29. August 1934 wurde Leo Müffelmann im Alter von 53 Jahren zu höherer Arbeit in den ewigen Osten abberufen.

Leo Müffelmann, dessen Name unsere Loge trägt, sei uns, liebe Brüder allzeit Vorbild, seine tapfere, unbeugsame freimaurerische Haltung sei uns, liebe Brüder, Herausforderung und Aufgabe. Lasst uns durch unsere Arbeit seinem Namen Ehre machen!

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