Leo Müffelmann

Dr. Ludwig Müffelmann 1853 - 1927,Journalist und Schriftsteller, war einer der hervorragendsten Vorkämpfer der humanitären Freimaurerei in Deutschland. Als 1902 die von ihm in freiheitlichem Sinne geleitete "Rostocker Zeitung" an eine politisch anders gestellte Gruppe überging, übersiedelte er nach Berlin und leitete dort in der Folge die "Neue Zeit". Er wurde Erster Provinzial - Großmeister der bis dahin geschlossenen Provinzial-Großloge von Hamburg und redigierte ihr offizielles Organ "Die Bausteine". Im Weltkrieg schrieb er "Die italienische Freimaurerei und der Krieg". Nach Friedensschluß kämpfte er aus innerstem Drang leidenschaftlich für den wahren Humanitätsgedanken, für Freiheit, Versöhnung und echtes Menschentum. 1921 stiftete er die Loge "Zu den Alten Pflichten". Seine kompromißlose humanitäre Auffassung und sein rücksichtsloses Eintreten für die übernationalen Beziehungen der Freimaurerei trugen ihm in den letzten Lebensjahren starke Gegnerschaft ein.

Der Sohn, Dr. phil. Leo Müffelmann 1881 - 1934, übernahm das geistige Erbe seines Vaters. Leo Müffelmann war als Freimaurer ein überzeugter Pazifist. Bereits im Jahre 1916, veröffentlichte er in den "Bausteinen", der Zeitschrift der Provinzial-Großloge von Hamburg, den Artikel "Kant und der Frieden", der große Erregung und großes Aufsehen bei den deutschen Freimaurern hervorrief. Er vertrat darin die Auffassung, daß trotz des Krieges die Idee des ewigen Friedens gepflegt werden müsse.
Der Krieg ging zu Ende, und in Wort und Schrift ermahnte er die deutschen Freimaurer, den Alten Pflichten treu zu bleiben und sich für die Erfüllung der Ideen der humanitären Freimaurerei einzusetzen. Er forderte sie auf, ihre irrige Entscheidung des Boykotts der "Feindstaaten" rückgängig zu machen und sich für die Pflege der übernationalen brüderlichen Beziehungen, für die Verwirklichung der Weltbruderkette, der internationalen Verständigung und des Weltfriedens einzusetzen.
Er persönlich nahm jede Gelegenheit wahr, um diese Ziele zu verwirklichen. Häufig traf er französische Brüder und nahm demonstrativ an internationalen Freimaurerkongressen teil. Die deutschen Großlogen rügten und verschmähten ihn dafür. Als er 1928 am internationalen Freimaurerkongreß in Belgrad teilnahm und mit dem Großmeister des Grand Orient de France, Bruder Groussier, den Bruderkuß austauschte, entschlossen sich die deutschen Großlogen, ihn aus der deutschen Freimaurerei auszuschließen. Er suchte und fand eine neue maurerische Heimat in der Großloge von Wien.

Von dort aus setzte er seinen Kampf um die Erfüllung der maurerischen Ideale innerhalb der deutschen Freimaurerei fort. Gleich einem Propheten sah er die politischen Entwicklungen und ihre Einwirkungen auf die Freimaurerei voraus und ermahnte die Brüder, die von Hitler in seinem "Mein Kampf" veröffentlichten Ideen und Programme ernst zu nehmen.

Mit den wenigen Logen Deutschlands, die seiner Meinung waren, gründete er 1930 die "Symbolische Großloge von Deutschland", die von den altpreußischen, aber auch den humanitären Großlogen von Deutschland nicht anerkannt wurde. Dank dem Beitritt von ca. 600 Brüdern des "Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne" kam es zu einem raschen Anwachsen der SGLvD, das jedoch mit Hitlers Machtergreifung ein jähes Ende nahm.

Während der vorangegangenen Jahre hatten die etablierten Großlogen, Hitler nicht ernst genommen und blieben noch bei ihrer Einstellung nach der Machtergreifung der Nazis, als die ersten Maßnahmen zum Verbot der Freimaurerei im Dritten Reich in die Wege geleitet wurden. Sie erlagen der Versuchung, sich dem Hitlerregime anzubiedern und mit ihm zu paktieren. Dabei verrieten und verließen sie die Ideale der Freimaurerei und gestalteten sich um in einen "Deutsch-Christlichen Orden zur Freundschaft". Freimaurerisches Brauchtum, Satzungen und Gesetzbücher wurden aufgegeben. Bisherige Tochterlogen wurden Ordensgruppen des Ordens. Juden, Marxisten und Nichtarier konnten keine Mitglieder sein. Das Gelübde der Verschwiegenheit wurde abgeschafft. Der Bund erstrebte die Verwurzelung im deutschen Volke. Selbstverantwortung der Persönlichkeit, Tatchristentum und Mitarbeit für die Wohlfahrt des Volkes. Aber auch das half nichts: 1935 wurden sie verboten.

Einen anderen Weg ging Leo Müffelmann. Er lehnte jedwedes Anbiedern oder Paktieren mit den Nazis ab. Sofort nach der Machtergreifung schläferte er die SGLvD samt ihren Tochterlogen ein. Wenige Monate danach überführte er das Licht der SGLvD nach "Jerusalem/Palästina" ins Exil. Nach entsprechenden Vorbereitungen wurde im November 1933 die Symbolische Großloge von Deutschland im Exil mit Sitz in Jerusalem/ Paästina gegründet.

Getreu seiner Gesinnung nahm Leo Müffelmann am Weltkongreß der Allgemeinen Freimaurer-Liga in Den Haag teil. Vom Kongreß und einer Geschäftsreise nach England zurück, wurde er am 5. September 1933 von der Gestapo verhaftet und in das Gefängnis des Polizeipräsidiums gebracht. Nach anfänglicher Polizeihaft und den Verhören wurde er nach einem Monat ins Konzentrationslager nach Sonnenburg geschafft. Über seine Verhaftung, Polizeigewahrsam und Konzentrationslager berichtet er in seinem Tagebuch. Den Bericht betitelt er: "3 Monate Schutzhaft, September bis November 1933 wegen Zugehörigkeit zur Freimaurerei."

Er beginnt seine Ausführungen mit einem Lebenslauf und einem Bericht über seine aktive Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Hauptmann. Dann schildert er die einsetzenden Mißhandlungen und Schikanen, die Willkür und den Sadismus der SS-Wach- manschaften, die Prügel und die schweren Strafen. Nach vielen Bemühungen und Eingaben mit der Begründung, daß die Zugehörigkeit zur Freimaurerei kein Grund für eine Schutzhaft sei, erfuhr er am 16. November 1933, daß die Gestapo seine Entlassung angeordnet habe. Es folgten 10 schwer zu ertragende Tage, da der Lagerkommandant aus formalen Gründen die Entlassung zunächst nicht durchführte.

Am 26, November 1933 wurde er in die Wache gerufen, wo ihm mitgeteilt wurde, daß er entlassen sei. Dem Glück der Entlassung folgte die Arbeitssuche. Keiner wollte einen Schutzhäftling oder jemanden, der nicht der Partei angehörte, einstellen. Jetzt war er arbeitslos und krank, und in der Folge wurde er von der Gestapo gezwungen, unwahre Erklärungen zu unterschreiben. Leo Müffelmann beendet seinen Tagebuchbericht mit folgendem Absatz:

"Großloge und Oberster Rat zersprengt und zerschlagen.
Ehre und Würde als Mensch zerprügelt und vernichtet.
Wie ein Verbrecher behandelt, körperlich verletzt und wirtschaftlich ruiniert.
Zu falschen und unwahren Erklärungen gezwungen."

Trotz des schlechten gesundheitlichen Zustandes, buchte er eine Mittelmeerreise, um insgeheim im April 1934 in Palästina an Land zu gehen und die Brüder in Jerusalem zu treffen. In fieberhafter Eile wurde die Arbeit der Exil-Großloge und des Obersten Rates des AASR besprochen. Zusätzlich zu den beiden existierenden Logen "Zur Quelle Siloah" und "Ari" wurde eine dritte Loge, die "Libanon" in seiner Gegenwart gegründet. Leo Müffelmann gab den Brüdern Richtlinien zur Arbeit der SGLvD im Exil und nahm den Brüdern das Versprechen ab, die Exil-Loge regulär arbeitend zu führen und das Licht in ihr treu und in seinem Geiste und Sinne zu bewahren, bis es zu gegebener Zeit wieder nach Deutschland zurückgebracht werden könne. Er wurde zum Großmeister ad vitam ernannt und Bruder Emanuel Propper zum amtierenden Großmeister gewählt.

Die Brüder in Jerusalem baten und empfahlen ihn, im Land zu bleiben, um hier behandelt und gepflegt zu werden. Er lehnte dies ab, denn es warteten draußen noch viele Brüder, die seiner Hilfe bedurften. Es kam zu einem tränenreichen Abschied. Am 29. August 1934 wurde Leo Müffelmann im Alter von 53 Jahren zu höherer Arbeit in den e.O. abberufen. Ein hervorragender Mensch, ein Freimaurer par excellence, wie es nur wenige in Deutschland gab, ging von hinnen.

Wie weitsichtig und richtig sein Handeln war, geht aus der Tatsache hervor, daß die SGLvD im Exil bald nach ihrer Gründung von vielen Großlogen anerkannt wurde und wie sich herausstellte, die einzige Exil - Großloge war, die in regulärer Arbeit das Licht einer deutschen Großloge außerhalb der deutschen Staatsgrenze, (in Palästina, später Israel) treu bewahrte.

Leider wissen in Deutschland heutzutage nur wenige Brüder,wer Leo Müffelmann war. Sein Andenken zur bewahren, ist uns daher um so mehr eine große Verpflichtung.

 

Zu seinem Gedenken, und zur Orientierung an dem Ideal,

das sich mit dem Namen Leo Müffelmann verbindet,

wurde in Münster, am 31. August 1996,

die Loge "Müffelmann zur Treue"

als Mitglied der Großloge AFuAM

gegründet.


2018 wurde der Name in "Leo Müffelmann zur Treue" geändert,

um die enge Verbundenheit der Brüder an seinen Idealen

deutlicher zu machen.

 

 

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